Eine andere Sprache – für jeden auf dieser Welt ist der Begriff »Fremdsprache« ein »Etwas« – bedeutet tatsächlich eine komplett andere Welt.
Lassen Sie sich den Ortsnamen »Charleroi« von einigen Muttersprachlern vorsagen, hören Sie *ganz* genau hin, und Sie werden verstehen, was ich meine. Die Sprechwerkzeuge – Zunge, Gaumen, Rachen, bewegte Luft – werden einfach anders (als im Deutschen, im Englischen, im weiß-nicht-was) eingesetzt, und die Schwierigkeit, den Klang der anderen Sprache und Herkunft mit den eigenen Sprechwerkzeugen nachzuahmen verdeutlicht das Problem: Es gibt da eine absolut andere Sinnlichkeit. (!)
Den sensiblen Menschen – (mich) – stimmt das melancholisch. Denn der hat ein Ideal von »Kommunikation« (bzw. der »Möglichkeit der Kommunikation«) im Kopf. Und, damit verbunden, die Idee von der Weiterentwicklung der Menschheit. Diese so weitreichend verschiedenen Sinnlichkeiten werfen jedoch die Frage auf, ob es jemals gelingen kann, unsere – der Menschheit – Empfangs- und Verabeitungswerkzeuge geeignet anzupassen, also über die durch Geburt und Sozialisation gegebenen Prägungen hinauszuschreiten, um eben andere Sinnlichkeiten nicht nur wahrnehmen und erleben, sondern auch akzeptieren und goutieren zu können. Vielleicht sogar – was für ein Traum! – teilhaben zu können. Gleichmacherei – eine Sache, die der Idee des Kommunismus immer vorgeworfen wird – hat hiermit gar nichts zu tun. Im Gegenteil. Gerade durch Verschiedenheit Andersartigkeit erleben zu können und dann nicht werten zu müssen, zugleich Freude sowohl am Eigenen wie am Fremden zu erleben, das wäre dann wohl erst in nach-nach-folgenden Generationen zu toppen, zu steigern.
Eine Banalität wie eine Autobahnbeleuchtung* bringt in mir diese Gedanken zutage. Wegen des – »zufälligen« – Umstands, dass ich mich vor drei Tagen mit meiner Schwester und meiner Tante darüber unterhalten habe.
Und eine Präsentation meiner Studenten gestern (danke Nick, danke Stephanie), die zum Thema »Apoptose« derlei philosophisches Gedankengut in mir erweckten, passte ebenso dazu. Möge die Evolution dazu führen, dass in Zukunft weniger Nervenzellen im Embryonalstadium gekillt werden. Dass unsere – der Menschheit – Kapazitäten zunehmen.
Dass hier von einer Stadt in der Region »Wal-lonien« die Rede ist, hat, hoffe ich, weniger mit dem Erscheinen dieses Eintrags zu tun.
* http://www.tagesschau.de/ausland/autobahnbeleuchtung100.html